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Escape & Krimi Dossier – Akte VIII

Drei neue Escape- und Krimispiele von mooi play, Mörderische Dinnerparty und Planet A

von Johannes

Übersicht

Im Schatten des Gifts (mooi play)

In den letzten Monaten häufen sich die Anfragen neuer Verlage im Krimispiel-Bereich, die ihre Werke besprechen lassen möchten. Die KI unterstützt bei zahlreichen Aufgaben, weshalb immer mehr Anbieter auf den Markt drängen. Generierter Content holt mich jedoch – auch abseits der ethisch-moralischen Probleme – selten ab. Vor einer Zusage frage ich daher stets, welchen Anteil KI an der Erstellung der Fälle hatte. Ist dieser beträchtlich, lehne ich ab. Nach Aussage der Entwicklerin ist Im Schatten des Gifts bis auf kleine Hilfestellungen bei den Quellengrafiken handgemacht.

Trotz der Aufmachung als Fallmappe ist das Werk gar kein Krimispiel, sondern ein Escape-Game mit historischem Setting. Für dieses durchwühlte die Bremerhavenerin Karen Albers die Archive nach Quellen zur berühmten Serienmörderin Gesche Gottfried.

Fünf Rätsel stecken in der Schachtel. Jedes wird durch einen Zahlencode gelöst, den man auf der Website eingibt. Dort sind auch die Audio-Passagen hinterlegt.

Die Vertonung überzeugt durch gute Sprecher*innen, die Website durch ihre Nutzer*innenführung. Zwingend nötig ist der digitale Auftritt aber nicht: Die Rätsel hätten auch rein analog funktioniert, wie eine Notfallakte zum Herunterladen für den Offline-Einsatz beweist.

Beim Anspruch bewegt sich der Fall auf Einsteiger*innenniveau. Meine Frau und ich konnten alle Aufgaben ohne großes Nachdenken lösen; die Pfade waren direkt klar. Das liegt auch an der Präsentation. Die benötigten Materialien sind bereits in der richtigen Reihenfolge sortiert. Man muss nur noch verstehen, was gewollt ist. Da der Titel auf bewährte Rätsellogiken setzt, dürften Veteranen alles schon einmal gesehen haben.

Wird dennoch Hilfe benötigt, hilft die Website weiter, die alle Schritte bis zur Auflösung bereithält. Sie liefert auch den Abspann, was dem digitalen Anhang schlussendlich doch seine Daseinsberechtigung sichert.

Überraschungen oder Wendungen fehlen ebenso wie eine Nummerierung der Materialien, die beim Verstauen geholfen hätte. Solange ich das Material nicht beschrifte, muss jedoch nichts zerstört werden.

Insgesamt empfand ich diesen ersten Fall von mooi play als gelungen, wenn auch deutlich zu einfach für mein Erfahrungslevel. Sein größter Trumpf ist das historisch authentische Setting. Davon wünsche ich mir mehr – dann allerdings mit kreativeren Rätseln.

Note: Befriedigend (3+)
Johannes
Brettspielminister

Tod im London-Express (Mörderische Dinnerparty)

Brot und Spiele: Es wurde mal wieder Zeit für ein Krimidinner. Mit der Mörderischen Dinnerparty hatten wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht, an die wir anknüpfen wollten. Wir spielten zu sechst Der Tod im London-Express. Wir sind mit dem Nachtzug im Jahr 1936 auf dem Weg zu einer Krönungszeremonie in London, als der Schaffner tot aufgefunden wird. Wie immer bei diesem Format ist der*die Mörder*in unter uns.

Wie empfohlen bereiteten wir ein Drei-Gänge-Menü vor, durch das wir uns Kapitel für Kapitel schmausten. Jedes Kapitel begann mit einem Audioschnipsel aus dem Internet – für die beigelegte CD fehlt uns das Abspielgerät –, in dem Detektivin Herculette Poiret ihre neuen Ermittlungsergebnisse präsentierte. Anschließend lasen alle gemeinsam einen Dialog und stiegen in die Diskussion ein. Hinweise halfen dabei, Gesprächspausen zu überbrücken.

Der Tod im London-Express kam 2006 auf den Markt und erschien 2021 in zehnter Auflage. Das Material ist nett gestaltet und wirkt authentisch.

Dem steht der wenig realitätsnahe Fall entgegen. Wie bei Krimispielen üblich, haben alle Passagiere etwas zu verbergen. Die letzte Wendung fällt jedoch so abstrus aus, dass sie die Täter*innensuche ad absurdum führt. Wir hielten den Fall für schlichtweg unlogisch. Schade!

Zudem bevorzuge ich es, möglichst früh viel über die eigene Figur zu erfahren. Zumindest sollten mir Informationen vorliegen, bevor die Mitspielenden sie erhalten. Auch das traf hier nicht zu.

So hatten wir zwar einen schönen Abend, aber das Krimidinner selbst fiel hinter unsere Erwartungen zurück.

Note: Ausreichend (4+)
Johannes
Brettspielminister

TATORT MEER – VERSCHOLLEN (PLANET A & DENKRIESEN)

In den letzten Monaten haben wir uns durch das gesamte Sortiment von Planet A und Denkriesen gespielt. Mit Verschollen aus der Reihe Tatort Meer findet diese Reise ihren würdigen Abschluss auf dem Segelschiff Jan-von-Gent: Eine Matrosin ist verschwunden, nur ihr Schuh liegt an der Reling und die Kapitänin bittet uns um Hilfe.

Dazu hat sie uns einen dicken Aktenstapel geschickt, mit dem wir das Geschehen rekonstruieren, sofern wir alles richtig kombinieren. Wie üblich gibt es einiges zu lernen; in diesem Fall unter anderem über Kraken. Die optisch gelungenen, vielseitigen Materialien werden durch digitale Inhalte ergänzt, während ein Online-Hilfesystem bei Denkblockaden unterstützt.

Offen gesagt ließe sich der Text aus früheren Rezensionen recyceln und nur um den Fallaufhänger ergänzen: Auch bei der Auflösung greift wieder das altbekannte Schema F beziehungsweise A, wie ich bereits geschrieben habe. Die Fälle sind fast identisch aufgebaut, verwandt im Materialumfang und daher gibt es auch kaum Abstufungen bei der Bewertung. Familie Hufer hat mit dem Umweltfokus eine eigene Nische gefunden, auch wenn sie bei Qualität und Abwechslung nicht ganz an die Werke von Hidden Games heranreicht. Das muss sie auch gar nicht, denn der Markt bietet reichlich Platz. Wir spielen diese Reihe immer wieder gerne.

Note: Gut (2-)
Johannes
Brettspielminister

Transparenzhinweis

Für diese Rezension standen mir, mit Ausnahme des Mörderischen Krimidinners, kostenfreie Rezensionsexemplare zur Verfügung, die mir ohne Auflagen von den Verlagen übermittelt wurden. 

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