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Farshore: Ein Spiel in der Welt von Everdell

von Johannes
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Über das Spiel

Rezension

Mit Farshore ist ein weiterer Titel in der Welt von Everdell erschienen. Everdell kam im Ministerium schon länger nicht mehr auf den Tisch, Grund genug also, den Neuling direkt einmal probezuspielen. 

Vorweg sei allerdings noch angemerkt, dass sich die Kenntnisse über das Everdell-Universum seitens des Autors auf das Grundspiel begrenzen. Dieses hatte dem Minister damals gut gefallen, aber auch nicht so gut, dass es einen anhaltenden Kaufreiz ausgelöst hätte. Dabei gehört Worker-Placements ja eigentlich zu den favorisierten Mechaniken.

Worum geht es also in Everdell? Tiere bereiten sich auf den nächsten Winter vor und müssen hierzu die eigene Stadt, welche aus einem Tableau von insgesamt 15 Karten besteht, möglichst geschickt ausbauen. Um dies zu tun, können sie entweder Worker-Placement-Felder belegen, Karten abspielen (und dafür die Kosten bezahlen) oder passen, was den Spieler*innen erlaubt, individuell in die folgende Jahreszeit vorzurücken. Interessant wird Everdell dadurch vor allem durch zwei Dinge: 1. sind die Karten sehr gut mit einander verzahnt und 2. ist das Spiel stark auf den Niedlichkeitsfaktor getrimmt. Dies ergänzend ist das Spiel hervorragend produziert. Man könnte sogar behaupten, dass es überproduziert ist und manche Materialien sogar eher hinderlich für den Spielfluss sind, denken wir einmal an den riesigen Baum, der dahinter sitzenden Spieler*innen die Sicht versperrt und für davorsitzende Spieler*innen bedeutet, dass sie gelegentlich aufstehen müssen, um wirklich alles sehen zu können.

Sehen ist generell auch ein gutes Stichwort, denn man braucht gute Augen, um die vielen Details und Texte auf den Karten lesen zu können.

Farshore, welches ja keine weitere Erweiterung für Everdell ist, unterscheidet sich in den genannten Punkten allesamt nicht vom älteren Geschwisterkind. Die Kartentexte sind weiterhin klein und statt einem Baum gibt es jetzt einen ebenso nutzlosen – aber hübschen – Leuchtturm. Das Material ist erneut erhaben und die Tiere sind putzig anzusehen.

„Warum brauchte es dann einen neuen Titel?“ könnte und sollte man fragen. Zuallererst wurde das Spiel etwas gestreamlined, das heißt, dass beispielsweise die Verzahnung zwischen den Karten etwas abgeschwächt wurde. Auch sind die Endsiegpunkte durch die neuen Schatzkarten und Schatztruhen jetzt etwas besser kalkulierbar und es gibt ein Schiff, mit dem man sich über das Meer bewegen kann (auch ein Gimmick, auf das man besser hätte verzichten können aus Sicht des Ministeriums, denn mit Schiff kann man den jeweiligen exakten Stand nur schwer ablesen). Anker wurden eingeführt, die eine direkte Kopplung von Wesen zu Gebäuden erlauben – eine wirklich schöne Mechanik. Potentiell soll das Spiel damit wahrscheinlich, obwohl als Kennerspiel klassifiziert, Familien ansprechen, denn irgendwo zwischen Familien- und Kennerspiel dürfte es sich bewegen.

Wäre da nicht weiterhin das Problem des vielen Texte auf den Karten, welcher das Spiel schwer greifbar macht, eine höhere Lernkurve verursacht und etwas verhindert, es mit geübten jüngeren Kindern zu spielen, die mit der reinen Mechanik sicherlich zurechtkommen würden (das haben wir mit Everdell getestet).

Und dann ist da noch der Preis von aktuell 99,99€ im Pegasus-Shop. Auch wenn es das Spiel bald im Angebot für 80€ geben sollte, ist dies für ein Kennerspiel doch ein sehr hoher Preis – trotz der extrem hochwertigen Produktion. Damit dürfte das Spiel sich dann doch eher an Enthusiasten richten, die die Reihe mögen. Doch brauchen diese eine gestreamlinte Version? Sicher, sowohl Everdell als auch Farshore sind auf ihrem Niveau tolle Spiele, allerdings unterscheiden sie sich nicht so stark, als dass man nun beide zu Hause haben müsste. Wirkliche Fans dürfte das bestimmt nicht stören und so wird die Kuh an der Stelle sicherlich weiter gemolken werden. Für alle anderen gilt aber aus meiner Sicht: eines reicht und dann vielleicht zum günstigeren Titel greifen, auch wenn Farshore mechanisch ein µ besser ist.

Abschließende Bewertung des Ministeriums

„Der kleine Bruder von Everdell macht das Spiel noch etwas runder und ist gnadenlos überproduziert. Fans der Serie können gefahrlos zugreifen. Alle anderen sollten wahrscheinlich auch etwas auf den Preis achten.“
Johannes
Brettspielminister

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