Pressekonferenz
230.000 Besucher*innen, 81.200 m² Fläche, 1.885 Neuheiten in der App, 997 Aussteller aus 53 Ländern und 5 Kontinenten, 8 Hallen – Zuwächse an allen Ecken und Enden. Die Spiel 2026 ist in vielerlei Hinsicht eine Messe der Superlative. Eine Innovation spüre ich beim traditionellen Einstieg am eigenen Leib, der einen anderen Weg nehmen muss. Weil Halle 8 hinzukommt, steht sie nicht mehr für die Neuheitenshow zur Verfügung. Auch die Pressekonferenz zieht vom Foyer in die Grugahalle um. Mit blauen Vorhängen abgehängt bietet diese ein engeres, aber auch imposantes Ambiente.
Cineastisch beginnt die Pressekonferenz mit einem Einspieler, der nach der Spiel 2025 entstand. Der Rest ist gewohntes Programm. Director Communications Robin de Cleur und Geschäftsführerin Carol Rapp betreten die Bühne und berichten zweisprachig über die wichtigsten Rahmendaten. Als weitere Trends listen sie Popkultur, Lizenzen, Natur und Cozy Games. Natürlich gaben sie auch den Termin für nächstes Jahr bekannt (den die Messe allerdings schon vorher gespoilert hatte): 21. bis 24. Oktober 2027.
Die meisten Informationen hatte die Messe bereits vorab über ihre Kanäle kommuniziert. Die vollständige Pressekonferenz könnt ihr im offiziellen Stream nachsehen.
Besonders gespannt war ich auf Botschafter Peter Mohrbacher. Die Veranstalter kündigten ihn zunächst nur als Repräsentanten für die Illustration an, zur Verleihung des Deutschen Spielepreises trat er dann jedoch persönlich auf. Nach dem fantastischen Auftritt von Mháire Stritter im Vorjahr trat er in sehr große Fußstapfen. Seine Vorstellung war charismatisch und souverän. An seinen Fragen merkte man jedoch, dass er thematisch nicht optimal passte. Die Fragen sorgten andererseits für eine sehr entspannte Atmosphäre und lockere Antworten auf der Bühne – etwa als Stephan Rink (Feuerland) sagte, man habe Matthias Wigge gebeten, ein Familienspiel zu machen, „and that was the best he could do.“
Die drei Finalisten für den Deutschen Spielepreis 2026 standen bereits im September fest: Artengarten (meine Rezension), Boss Fighters QR (meine Rezension) und Galactic Cruise. Aus meiner Sicht sind alle drei hervorragende und sehr unterschiedliche Titel, über die der Massengeschmack entschieden hat. Ein interessantes Detail fiel mir jedoch auf: die stark abweichenden Auflagengrößen. Boss Fighters QR verkaufte sich international über 100.000-mal. Am anderen Ende der Skala liegt Galactic Cruise mit 2.000 Exemplaren auf dem deutschen Markt. Artengarten erreicht in Deutschland eine Auflage im niedrigen fünfstelligen Bereich. Beim Deutschen Spielepreis stimmen weiterhin unter 10.000 Personen ab.
Marktdurchdringung und Abstimmungsverhalten korrelieren offenbar nicht, wie der Gewinner Artengarten zeigt. Wie groß die Chancen für Galactic Cruise (trotz der Verfügbarkeit bei BGA) wirklich waren, ist angesichts dieser Zahlen jedoch fraglich. Der Deutsche Spielepreis ist eben ein Publikumspreis, über den primär die Bubble entscheidet – mit allen Problemen, die ein solcher Preis im Vergleich zu einer Juryentscheidung hat.
Mit Artengarten gewann schließlich der kleine Bruder des dauerhaft populären Arche Nova – ebenfalls ein Gewinner des Deutschen Spielepreises. Der sichtlich gut gelaunte Wigge hat damit mit all seinen Spielen diesen Preis abgeräumt.
Beim Deutschen Kinderspielepreis standen Die Insel der Mookies, Paleolino und Toriki – Eine Insel voller Abenteuer (meine Rezension) auf dem Treppchen. Toriki schaffte es bereits auf die Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres. Die Insel der Mookies ist das aktuelle Kinderspiel des Jahres. Paleolino besitzt – typisch für den Kinderspielepreis – ein erwachsenes Vorbild. Gewonnen hat schließlich Toriki, also das Familienspiel. Für mich war es schon beim Spiel des Jahres ein heißer Kandidat. Frank Noak nahm den Preis entgegen; er hat das Spiel für die B-Rex-Entertainment-Gruppe nach Deutschland geholt.
Einen Fauxpas seitens der Messe gab es auch: Die Presseinformationen über den Gewinner gingen heraus, bevor die Veranstalter ihn auf der Bühne verkündeten. Der Vorsprung war jedoch gering und fiel in der Halle kaum auf.
Insgesamt eine sehr schöne, festliche Show und würdige Gewinner. Ein gelungener Auftakt zur Messe.
Neuheitenshow
Nach der Pressekonferenz fielen die Vorhänge zur Neuheitenshow, auf der dieses Jahr ganze 1.023 Neuheiten auslagen. Viel zu viel, um wirklich alles anzuschauen. Für das Brettspiel-Kollektiv haben wir einen Rundgang mit Titeln und kurzen Interviews gedreht.
Durch den Umzug erstreckte sich die Show über zwei Ebenen, die für meinen Geschmack noch nicht ideal aufgeteilt sind. Oben war es sehr angenehm, unten teilweise eng und stickig, obwohl mehr Platz zur Verfügung stand.
Wie üblich gehörte auch das Perlentauchen zur Neuheitenshow. Wirklich Substanzielles lässt sich auf Basis der kurzen Pitches und Aufbauten allerdings nicht berichten. Ich lasse deshalb freimütig die Bilder sprechen.