Spiel des Jahres 2026
Gestern wurden in Berlin die Preise für Kinderspiele, Kennerspiele und Spiele des Jahres verliehen. Viele von euch dürften im Livestream oder gar vor Ort dabei gewesen sein. Auf eine Auflistung der Gewinnertitel verzichte ich daher. Nichts ist älter als die Zeitung von gestern und der Neuigkeitswert wäre wahrlich gering.
Ich schreibe trotzdem, denn ich war erstmals dabei und habe ein paar Gedanken und andere Dinge mitgenommen, die es vielleicht nicht durch den Bildschirm geschafft haben.
Auch meine Einschätzungen hatte ich bereits geteilt und muss feststellen, dass ich meinen Daumen für Cozy Stickerville wohl nicht genug gedrückt habe. Dito! Halte ich von den Nominierten weiterhin für den schwächsten Kandidaten. Mir fehlen Innovation und regeltechnische Schärfe. Die Jurymitglieder, die das anders gesehen haben, werden ihre Gründe haben. Was jedoch nicht hineininterpretiert werden sollte, ist, dass das Spiel aufgrund seiner Herkunft den Titel gewonnen hat, obwohl dies auf der Bühne auffällig häufig betont wurde.
Springen wir zur Verleihung: Maren Hoffmann führte zu Beginn aus, dass am Kulturgut Spiel (oder Spielen!) alle beteiligt seien. Von denjenigen, die die Spiele erschaffen, über Redaktionen und Illustrator*innen bis hin zu denjenigen, die sie spielen und anderen näherbringen. Sie sagte das nicht, aber ich vervollständigte für mich: Der Preis geht an ein Spiel, aber es ist doch der Preis für alle, und er kommt im Niederflurbus.
Am meisten berührten mich aber die emotionalen Botschaften, gerade beim Kinderspiel des Jahres. Thomas Dagenais-Lespérance drückte per Videobotschaft sein Bedauern aus, aus familiären Gründen nicht vor Ort sein zu können, und erzählte mit leicht feuchten Augen, dass er Verflixt Verzaubert für seinen Sohn gemacht habe. Gleichermaßen bewegend waren Florian Sirieix‚ (Die Insel der Mookies) Worte, der sagte, sein Sohn sei „too young to be my co-author, but he is.“
Mit der Entscheidung, die Illustratorin von Die Insel der Mookies, namens Seppyo gleichberechtigt direkt neben dem Autor auf die Schachtel zu schreiben, ihre Wichtigkeit für das Spiel zu betonen und ihr auf der Bühne einen angemessenen Raum zu bieten, sendeten Verlag und Jury wichtige Signale.
Nicht so gelungen empfand ich dieses Mal die Fragen an die Autor*innen. Welches Kostüm das Lieblingskostüm sei, wäre wohl besser an Reiner Knizia, dieses Jahr im Kilt, gegangen. Hier hätte die Jury an die Begründungen anknüpfen können, die sie teils bereits bei den Nominierungen im Mai genannt hatte. Der hineininterpretierten gesellschaftlichen Tiefe von Moon Colony Bloodbath erteilte ein für mein Empfinden leicht genervter Donald X. Vaccarino eine deutliche Absage: „The game is just silly.“

Reiner Knizia nutzte den Rahmen, um dem breiten Publikum auch Erkenntnisse mitzugeben, die er in seiner langen Schaffensperiode gesammelt hatte. Als besonders treffend empfand ich seine Schlussworte: „In the end, it does not matter who wins, because we carry the message about the good games out to the people. […] In the end, it has to be one on top, but the top is amongst equal. […] So don’t forget the other nominees.” Gerade beim Kennerspiel des Jahres traf dies dieses Jahr mehr denn je zu.
Zwischen Kennerspiel und Spiel des Jahres wurde die Stimmung noch etwas gedrückt, als an Reinhold Wittig erinnert wurde, dessen Tod in diesem Jahr die Szene berührte. In Anbetracht dessen, dass dies bereits die Wahl des 47. Spiel des Jahres war, befürchte ich, dass solche Momente nun häufiger eintreten könnten, auch wenn Wittigs Wirken selbst unter den vielen großen Namen seiner Zeit herausragend war.
Klar ist: Auch wenn nicht immer alles perfekt läuft, und manche Entscheidung der ehrenamtlichen Jurymitglieder für Diskussionen sorgt, kann die Wichtigkeit des Spiel des Jahres für die Etablierung des Spiels in der Gesellschaft kaum überschätzt werden. Ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte und die Geschichte somit hautnah erleben konnte.
Weitere Eindrücke bekommt ihr auch beim Brettspiel-Kollektiv, wo wir heute schon ein Video zur Verleihung veröffentlicht haben.