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Pegasus Pressetag 2026

von Johannes

Erfolgseinsichten

Mein Saisonabschluss der Pressevents zur Spiel 2026 bildet im zweiten Jahr in Folge das Pegasus-Presseevent. Der Verlag mit dem fliegenden Pferd hatte zu seinem Firmenstandort im hessischen Friedberg geladen, und die Pressevertreter*innen kamen in Scharen. Mit 25 Neuheiten, die es fast alle zur Spiel zu kaufen geben soll, gab es einiges zu sehen – und zu erfahren. Zum Beispiel, dass Boss Fighters QR im letzten Jahr nicht nur die höchste Startauflage jemals erhielt, sondern mittlerweile auch über 100.000-mal in 17 Staaten verkauft wurde. Die Erweiterung Dschungelfieber mit neuen Helden, Klassen und fünf weiteren Bossen ist damit wohl nur ein kleiner Schritt in die auf über zehn Jahre angelegte Zukunft des Titels.

Produktpflege gibt es auch bei weiteren Erfolgstiteln. Zu Dorfromantik erscheint nach Sakura mit Südsee bereits die dritte eigenständige große Box. Die anwesenden Autoren Lukas Zach und Michael Palm, die auch für Boss Fighters QR verantwortlich zeichnen, wirkten ebenso zufrieden wie die Geschäftsführung. Auf diesen Titel legte man nach dem Mittagessen konsequenterweise auch einen Akzent (meinen Eindruck siehe unten).

Ein besonderes Leuchten meinte ich in den Augen von Geschäftsführer Karsten Esser zu erkennen, als er auf die Neuerungen im Rollenspielbereich zu sprechen kam. Kein Wunder: Pegasus wurzelt genau in diesem Segment. Das älteste deutsche Rollenspielsystem Midgard, an dem wohl auch persönliche Erinnerungen Essers hängen, entwickelt Pegasus seit 2024 weiter. Nächsten Monat erscheint das neue Regelheft. Aber ihr seid hier natürlich weiterhin beim Brettspiel- und nicht beim Rollenspielministerium.

Neben Pegasus waren auch die Partner Deep Print Games und Hidden Games vor Ort. Ich präsentiere meine Ersteindrücke sortiert nach den drei Verlagen.

Pegasus

Mein Tag begann mit einer Partie Medico von Stefan Feld, entwickelt von Hall Games und erklärt von Redakteur und Hall Games-One-Man-Army Ralph Bruhn. Auch wenn ich Stefan Feld persönlich sehr schätze, störe ich mich oft an der Mangelwirtschaft und den ausladenden Spieldesigns. Nein, ich bin weit davon entfernt, ein Fanboy des Autors zu sein. Umso erfreuter melde ich, dass mir dieses Spiel rundum gefiel. Der badische Autor macht uns thematisch zum Bad(n)er, der von den Lehren des Medicus profitieren möchte. Wobei das Thema wohl eher von Bruhn stammt. Stefan Feld zeichnet verantwortlich für den Pick-Up-and-Deliver-Kernmechanismus mit einer Prise Engine-Building in nur acht Zügen (zu viert) und einer Menge Punktsalat am Ende. Bin ich am Zug, bewege ich meinen Bader von einem Ort auf dem Rondell zum anderen, sammle Kräuter und studiere Rezepte. Bestrafend oder mangelig ist dabei nichts. Ich profitiere sogar, wenn ich mit anderen auf einem Feld (badum tz) stehe und ich schwelge im Überfluss. Die Viererpartie schlossen wir in unserer Schnellspielerrunde in unter einer Stunde mit einem guten Gefühl ab – Tagesrekord. Das möchte ich noch öfter erleben und neue Wege ausprobieren.

Im Anschluss ging es, wie angekündigt, zu einer Partie Dorfromantik: Südsee. Wer Dorfromantik kennt, fühlt sich hier direkt zu Hause. Natürlich haben sich die Autoren neue Elemente einfallen lassen: Mit Booten und Fischen erhält das Spiel im Meer noch einmal neue Dimensionen. Meine Kinder freuen sich darauf. Ich selbst habe allerdings noch nicht einmal den Vorgänger komplett abgeschlossen, sodass ich den Nachschub noch nicht benötigt hätte.

Danach wurde es beim einzigen Partyspiel des Tages hitzig. Shout the Clue lässt uns kooperativ Hinweise zu Begriffen zurufen. Der eigene Redefluss ist jedoch begrenzt, denn Kategorien definieren, was man rufen darf. So macht eine Person nur Geräusche, eine andere nennt Markennamen oder Promis, die dritte Berufe und eine vierte beschreibt Farben und Formen. Bin ich der Hinweisgeber, muss ich für die Gruppe aus alledem einen Reim machen. Das laute Chaos gefiel mir erstaunlich gut. Hier dominiert der Spaß im Ministerium. Ich brauche nur noch die passenden Mitspielenden dafür.

Um die Freude jetzt nicht zu überborden, ging es beim ebenfalls kooperativen Spirits of Valenor der Österreicher Johannes Krenner und Alexander Pfister wieder ernster zur Sache. In 15 Kapiteln bedrohen fremde Mächte die Geister von Valenor (nicht zu verwechseln mit Valinor), und wir müssen sie bekämpfen. Das geht mit Handkarten, die aber auch weitere Gegner ins Spiel bringen. Übertrifft unsere Kampfkraft in verschiedenen Spalten die der Gegner, wandern diese ins Nirvana. Erreichen wir ein Kräftegleichgewicht, kommen „Jägermeisterkarten“ ins Spiel. So nannten wir sie zumindest aufgrund des Kartendesigns. Das sind besondere Truppen auf unserer Seite. Insgesamt ein mechanisch einfaches Spiel, das vor allem von der Kommunikation der Mitspielenden lebt. Nach zahlreichen Kampfspielen in den letzten Jahren fesselte mich das nicht sonderlich. Vielleicht holt die Kampagne ja noch etwas heraus.

Die gleiche Gruppe setzte sogleich mit Minikin City fort. Matthieu Verdier und Simone Luciani kennt man eher für große Spiele, aber sie können auch – wie der Name sagt – winzig. „Wir nennen es nicht Stichspiel“, sagte der erklärende Redakteur direkt zu Beginn. Ganz unpassend ist der verbotene Begriff aber nicht. Zu Beginn erhalten wir eine Auswahl an Handkarten. Die Rundenkarte in der Mitte gibt die Trumpffarbe vor, die jedoch nicht bedient werden muss. Die höchste gespielte Karte dieser Farbe gewinnt und erhält den höchsten Rundenbonus. Die niedrigste Karte darf sich zuerst eine neue Karte aus der Auslage aussuchen – ähnlich wie bei Power Vacuum. Der Rest ist Set-Collection: Auf allen gespielten Karten, die die eigene Minikin-Stadt bilden, prangen Symbole, die am Ende oder als Soforteffekt aktiviert werden. Manche benötigen noch „Minikins“, die Bewohner der Stadt. Ein nettes kleines Kartenspiel mit erstaunlich vielen taktischen Möglichkeiten.

Da ich ohnehin schon beim Städtebau war, ging es für mich mit Positano weiter. In nur vier Runden errichtet man Türme mit Blick aufs Meer. Neben Plastik gibt es vor allem einen Bietmechanismus zu bestaunen. So richtig spannend war das aber nicht und die vier Runden waren viel zu kurz. Wenn ich Lust auf Plastik-Ausbauten habe, greife ich doch lieber zu Tower Up. Schade ums Material.

Ebenfalls wunderhübsch war Raas: A Dance of Love. Thematisch geht es um indische Tänze. Für mich schrie alles „Bollywood“, auch wenn ich mit dieser Assoziation sicher falsch liege. In jedem Fall dreht sich in der Mitte alles, und ich versuche, meine Tänzer*innen mit Stäben, Würfeln und Kleidung so auszustaffieren, dass die dahinterliegenden Multiplikationsrätsel die größtmögliche Summe ergeben. Es mag daran liegen, dass wir das Einstiegsspiel ausprobierten, aber ich habe mich spielerisch sehr gelangweilt. Immerhin das Drehen der Zahnräder macht viel Spaß.

Vor der Heimfahrt durfte ich noch Kalypso testen. Das Plättchenlegespiel bietet eine kooperative und eine kompetitive Variante. Wir spielten kompetitiv in einer Art „Waterworld“, bei der man Städte auf Treibgut errichtet. Der größte Clou liegt im Material: Es haftet auf magische Weise in der untersten Ebene aneinander und verrutscht so nicht. Der Rest ist geschicktes Puzzeln der T-förmigen Heptominos, Teile-Drafting und der Versuch, die Ziele in der Mitte zu erreichen, ohne dass die Wetterkarten der Mitspielenden zu Rundenbeginn zu sehr stören. Im Ersteindruck in Ordnung, aber ich könnte noch unzählige Partien Planet Unknown spielen, bevor ich ein weiteres Plättchenlegespiel dieser Gewichtsklasse benötige. Den Vergleichskandidaten finde ich deutlich eleganter.

Damit bin ich bei den Spielen angekommen, die ebenfalls vor Ort waren, die ich aber aus unterschiedlichsten Gründen nicht spielte. Mein Lieblingsgrund: Ich kannte sie schon. La Cuenta erscheint zum Beispiel mit einer deutlich überarbeiteten Anleitung auf Deutsch (meine Rezension). Nokosu Dice kaufte ich mir Anfang des Jahres auf Englisch/Japanisch, weil mich das mehrdimensionale Stichspiel so sehr begeisterte. Toll, dass es jetzt den deutschen Markt erobert – für mich ein Ausnahmespiel des Genres. Allerdings mit der Warnung, dass es sich eher an Kenner*innen richtet. Familienspieler*innenrunden waren bei mir stets überfordert mit dem Spieldesign.

Tax the Rich besitze ich seit der letzten Spiel auf Englisch. Neben dem Thema punktet das Spiel durch die Koalitionsbildung am Tisch. Moustache, das mit zufälligen Koalitionen hantiert und das ich als wesentlich eingängiger empfinde, hat es bei mir allerdings schon abgelöst.

Den inoffiziellen Revive-Nachfolger Recall präsentierte mir im April eine liebe Mitspielerin. Natürlich behauptet der Verlag, dass sich die Spiele stark unterscheiden. Mechanisch stimmt das auch: Die Unterschiede fallen größer aus als zwischen Dune: Imperium und Dune: Imperium Uprising. Allerdings glich sich das Spielgefühl am Ende doch sehr, weshalb ich mit meinem Revive im Schrank zufrieden bleibe. Wenn ihr Revive mögt, solltet ihr es euch aber unbedingt einmal anschauen. Recall ist das einzige Expert*innenspiel im Programm von Pegasus in diesem Jahr.

Gar nicht gespielt habe ich Wolfsmond. Das Spiel sieht aus wie Die Werwölfe von Düsterwald, ist aber eine Hommage an Love Letter im Werwölfe-Universum. Ein weiterer Titel aus der Feder von Palm und Zach.

Mit Emerland erscheint erneut ein Titel im Everdell-Universum. Die Unterschiede zum Grundspiel fallen nach Aussage einiger Kolleg*innen vor Ort wohl ähnlich groß aus wie von Everdell zu Farshore und zu Silverfrost.

Große Hoffnungen setzt man bei Pegasus zudem auf die Fragments-Reihe, die mit Solara beginnt und schon Anfang nächsten Jahres mit Fungataï weitergeht. Die Spiele verbinden ein narratives Erlebnis mit Puzzle-Elementen. Das passt gut in den aktuellen Mainstream-Spielegeschmack. Ich denke konkret an Carp City und an Behind.

Bomb Busters bekommt ein Upgrade-Kit mit neuen Missionen. In der Neuheitenliste und teilweise aufgebaut standen ferner das Dorfromantik-Turnierset Kopf an Kopf, das kooperative Echtzeitspiel (brr) Last Minute sowie noch ein paar weitere.

Deep Print Games

Einen genaueren Einblick in die Neuheiten des Pegasus-Partners Deep Print Games erlangte ich bereits während des BerlinCon-Presseevents. So ging es wohl einigen Kolleg*innen, sodass sich niemand bei Ikea in die Kassenschlange anstellen musste. Nicht mitgekommen? Das war eine Anspielung auf den wichtigsten Titel Rooms & Roomies, über den ihr in meinem BerlinCon-Bericht mehr lest und in dem ihr in einem großen Möbelhaus shoppen geht.

Aufgebaut waren zudem die komplett überarbeitete, wunderschöne Neuauflage von Cuba namens Cubaneo, Friedemann Frieses Solospiel Familiar Feat sowie die Deckers-Erweiterung Duplicity.

Hidden Games

Krimispiel-Anbieter Hidden Games war ebenfalls wieder mit von der Partie. Im letzten Jahr setzte der Verlag verstärkt auf Produktpflege und optimierte ältere Fälle.

Umso mehr freue ich mich, dass nun zur Spiel die Box Alarmstufe: Rot erscheint, entwickelt zusammen mit dem Verfassungsschutz. Es handelt sich um eine „komplexe Bedrohungslage“, die das Team während der Entwicklung mehrfach anpassen musste, weil einzelne Themen den Tester*innen zu heikel waren. Das Jetztige passt wohl bestens in die aktuelle Zeit. Ich bin auf der einen Seite besorgt, auf der anderen Seite voller Vorfreude auf die Fallakte.

Transparenzhinweis

Ich wurde von Pegasus zu diesem Presseevent eingeladen. Pegasus stellte die Verpflegung. Für die Reise entstanden mir keine Kosten, da ich von Freunden mitgenommen wurde (Danke an Jan & Jasmin von der Brettspielerunde.de). 

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