Über das Spiel
- Erschienen bei Pegasus
- Autor: Yohan Servais
- Illustratorinnen: Noëmie Chevalier, Jiahui Eva Gao (Tutorial – Das Gewächshaus)
- Alter: 10+ | Spieler*innenanzahl: 1+
- Spielniveau: Familienspiel
Ab in die Wüste
Fragments ist eine neue narrative Puzzle-Spiel-Reihe, die bei Iello und Pegasus parallel zur Spiel erscheint. Die Beschreibung erinnerte mich zunächst an Behind (meine Rezension), was mich nicht vollends überzeugte.
Daher war ich zunächst nicht allzu motiviert, den Einstieg zu wagen. Ich war jedoch einen Abend allein zu Hause; niemand hatte Zeit für mich. Danke, Mitleid unnötig. Denn immerhin war der erste Teil der Serie für mich da. Andernfalls hätte ich ihn womöglich verpasst.
Vorweg eine Bitte: Alle gedanklichen Verknüpfungen zu Behind sind ab sofort zu entwerfen. Fragments ist ein Puzzle-Erlebnisspiel, kein Puzzle-Rätselspiel, auch wenn es kleine Rätsel enthält. Es erinnert an ein klassisches Point-and-Click-Adventure, bei dem Puzzleteile das Geschehen vorantreiben. Dabei helfen sowohl logische Schlüsse als auch die Kanten der Teile.
Ein Beispiel aus dem Tutorial verdeutlicht das. Mein Auftrag ist, mich um die Blumen im Garten zu kümmern. Dazu steht mir eine leere Gießkanne zur Verfügung. Puzzle ich diese passend unter den Wasserhahn, füllt sie sich – und ich darf das Teil umdrehen. Oberhalb der Blumen platziert, gießt sie diese, was eine erneute Drehung auslöst und mich zum Weiterlesen ins Geschichtenheft schickt.
Die für den Fortgang notwendigen Symbole stehen stets in Verbindung mit der Geschichte. Alle Puzzleteile kommen in praktischen Schubern und sind durchnummeriert. Das erleichtert Suchen und Einsortieren, denn ich habe einen steten Fluss neuer Story-Fragmente. Der Name ist Programm. Auf dem Tisch befindet sich zumeist nur ein kleiner Ausschnitt.
Komme ich nicht weiter, hilft das beigelegte Lösungsheft mit allen Schritten – ähnlich wie früher bei den Unlock!-Boxen, deren Hilfe es heute leider nur noch als PDF gibt. Auf der Rückseite des Lösungshefts befindet sich eine Symbolübersicht, die ich allerdings erst gegen Ende entdeckte, als ich es zum ersten Mal benötigte. Ein Hinweis im Anleitungsheft oder eine separate Hilfekarte wäre hier sinnvoll gewesen.
Das ist aber nur eine Kleinigkeit angesichts der sonst hervorragenden redaktionellen Ausarbeitung.
Wo Familienspiel draufsteht, steckt auch in der Story ein Familienspiel. Die Geschichte fand ich zwar ansprechend, aber insgesamt seicht und wenig aufregend.
Die Aufgaben und ihre Lösungswege sowie die kleinen enthaltenen Rätsel sind nett und überzeugend. Lediglich eine Passage wirkt kleinteilig und repetitiv und bremst die Hauptstory vor dem Finale spürbar aus.
Selbiges wirkte etwas laienphilosophisch und ich summte Kansas’ größten Hit vor mich hin: „All We Are Is Dust in the Wind“.
Dennoch: Das Spiel unterhielt mich über die gesamte Dauer von 90 Minuten bestens. Im Frühjahr erscheint der Nachfolger Fungataï. Vielleicht kehre ich dann entgegen meinen Gewohnheiten wieder an den Solo-Tisch zurück.
Transparenzhinweis
Für diese Rezension stand mir ein kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung, das mir vom Verlag ohne Auflagen übermittelt wurde.