Über das Spiel
- Erschienen bei Deep Print Games
- Autor: Juri Alexander
- Illustratorin: Annika Heller
- Alter: 10+ | Spieler*innenanzahl: 1-5
- Spielniveau: Kennerspiel
Plättchenlegen beim Möbelschweden
Geht ihr gerne zum Möbelschweden? Mich lockt dort normalerweise nichts hin. Nicht einmal die Hotdogs, von denen viele so schwärmen. Meine Frau hingegen findet immer etwas, und wenn es nur Teelichter sind. Es lebe das Klischee!
Egal, ob ich den Laden mag oder nicht: Er bietet in Rooms & Roomies eine erstklassige Kulisse für ein Legespiel. Hier geht es nicht nur um Konsum, sondern auch um das Kennenlernen neuer Mitbewohner*innen und deren Eigenheiten Vorzüge.
Die Einkaufsfahrt beginnt in jeder Runde am Eingang. Bin ich am Zug, darf ich meinen Einkaufswagen beliebig weit durch das Möbelhaus bewegen. Stehenbleiben ist erlaubt, zurück geht es aber in dieser Runde nicht mehr. Im Showroom angekommen, nehme ich mir genau ein Möbel-Polyomino. Dieses lege ich in der ersten Puzzleaufgabe auf meinen überdimensionierten Transporter. Gehe ich ins Café, kann ich neue Mitbewohner*innen kennenlernen – wie romantisch. Diese haben, genau wie ich, eigene Wünsche für die gemeinsame Wohnung. Kompatible Personen zu finden, ist daher wichtig. Zudem benötigt jede Person ein Bett. Die WG als Ganzes braucht mindestens eine Toilette, eine Kochmöglichkeit sowie eine Dusche oder eine Badewanne. Der Rest ist optional. Am Ausgang befinde ich mich bereits zu Hause in der Warteschleife. Dort kann ich mein Haus so lange mit neuen Räumen vergrößern oder Sachen bestellen, bis es auch die letzte Person durch die Ausstellung geschafft hat. In Phase zwei werden zunächst die Transporter vergrößert oder verbessert und anschließend alle Möbel im Haus verräumt. Was nicht passt, bekommt eine zweite Chance im Sales-Bereich. Für das Legen gibt es nur wenige Regeln: Manche Möbel gehören ins Badezimmer, andere in Wohnbereiche. Nur Blumen passen überall. Türen dürfen nicht blockiert und Fenster nicht zugestellt werden, da es Punktabzug gibt.
Überhaupt lässt die hervorragende thematische Einbindung dieses Spiel herausstechen. Alles wirkt sehr realistisch und ist daher spielerisch gut nachvollziehbar.
Einen großen Anteil am Spielgefühl haben die liebevollen Zeichnungen von Annika Heller. Sie hauchen den Rooms- und lobenswert diversen Roomie-Plättchen Leben ein. Leider wurde die Diversität bei den Namen jedoch nicht durchgehalten.
An Möbeln gibt es Brettspiel- und Nähtische, Whirlpools und andere Sportgeräte genau wie das oben skizzierte notwendige Mobiliar. Auch Roomies zum Verlieben sind dabei, die teilweise echten Menschen aus der Szene nachempfunden sind. Die passenden Gestalten auszusuchen, bietet einen zusätzlichen Reiz, da Plättchen und Eigenschaften voneinander getrennt sind. Wie schon bei Ghostbumpers gelingt es Heller, mit reduzierten Strichen viel Leben in die Szenerie zu bringen.
Auch die sonstige Ausstattung ist nicht nur für den UVP von unter 40 € bombastisch. Für Deep Print Games typisch gibt es eine durchdachte Aufbewahrung, in der zwischen den Partien alles sortiert gelagert wird. Sogar die überdimensionierten dreidimensionalen Transporter finden ihren Platz. Diese hätte es für mich ehrlicherweise nicht gebraucht, da sie keinen echten Spielwert bieten. Einmal damit über den Tisch zu fahren, nutzt sich der schnell ab. Ein normales Plättchen hätte es auch getan. Stattdessen hätte ich mir Säckchen für alle Polyominos gewünscht. Das Nachfüllen aus den Schächtelchen ist weitaus fummeliger als aus dem Sack, der für die 1er-Plättchen ohnehin beiliegt.
Teilweise finden sich zu viele Informationen auf den Plättchen. Symbole, Farbmarkierungen und Zahlen zeigen an, zu welcher Aufgabe welche Teile gehören. Das wird manchmal unübersichtlich, gerade wenn Dinge über das ganze Haus verstreut sind.
Spielmechanisch wird das Spiel von zwei Aspekten getragen: dem doppelten Puzzle, zuerst auf dem Transporter und dann im Haus, und schließlich der Frage des Timings. Da ich auf dem Transporter lediglich auf Überladung achten muss, geht es hier primär darum, abzuschätzen, was wohl meine Mitspieler*innen wollen. Im Haus begrenzt mich die Wohnfläche, die sich durch Ausbau leicht anpassen lässt und selten wirklich eine Schwierigkeit darstellt. Die größte Herausforderung entsteht hier durch die widersprüchlichen Anforderungen der Mitbewohner*innen. Etwa, weil eine Person volle Räume möchte, die andere aber Freiräume braucht. Dabei sind die Wünsche sehr unterschiedlich schwierig zu bedienen. Manche Roomies muss ich eigentlich direkt zu Beginn kennenlernen, wenn sie am Ende Punkte bringen sollen. Aus dem fortgeschrittenen Set erfordern einige sogar eine noch größere Vorplanung, was mit dem Spielablauf kollidiert, da nicht alle Roomies zu Beginn bekannt sind. Aber das Kennenlernen ist ja optional.
Dies gilt im Zweipersonenspiel noch stärker als zu fünft. Da bei wenigen Personen auch weniger Plättchen und Roomies zur Verfügung stehen, verschiebt sich der Fokus von den neuen Roomies weg zu den Basisaufgaben. Besondere Teilchen liegen schlichtweg in geringerer Anzahl vor. Die Start-Roomies fordern jeweils gleiche Symbole im Raum. Eine Asymmetrie fehlt bedauerlicherweise. Ich vermute jedoch, dass dies das Balancing erschwert hätte. Ohnehin ist dies kein Spiel für Personen, die zwingend auf Sieg spielen. Zu oft liegen die benötigten Plättchen nicht aus oder werden von Leuten weggeschnappt, die durch die Ausstellung rennen. Auf schön ausgestattete Räume zu spielen, ist nur ein Meta-Spiel, bringt aber keine Punkte.
Wirklich interessant wird es daher mit der entsprechenden Plättchenauswahl ab drei Personen. Da die Einzelzüge recht schnell gehen, bleibt die Downtime selbst bei fünf Personen im akzeptablen Rahmen. Ich spiele es am liebsten zu dritt oder zu viert, wo ich eine große Auswahl aber auch eine angenehme Zugzeit habe.
Plättchenlegen ist ein spielmechanischer Klassiker. Das Angebot ist entsprechend groß. Viele der Titel können bei den Aufgaben mit höherem Anspruch punkten. Rooms & Roomies bietet weder Kettenzüge noch Sofortboni noch irgendwelche innovativen Kniffe.
Transparenzhinweis
Für diese Rezension stand mir ein kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung, das mir vom Verlag ohne Auflagen übermittelt wurde.