Über das Spiel
- Erschienen bei Edition Spielwiese
- Autor: Friedemann Friese
- Illustrator: Marco Armbruster
- Alter: 8+ | Spieler*innenanzahl: 2-6
- Spielniveau: Familienspiel
Berufskrankheiten
Friedemann Friese ist ein vielseitiger Autor und immer für eine Überraschung gut. Als Spieleautor hat er zudem einen ungewöhnlichen Beruf. Vielleicht ist Maybe. Not. Perfect! auch deshalb ein „Perfect Match“.
In diesem Partyspiel geht es darum, kooperativ Begriffe zu Berufen zuzuordnen. Dazu erhält jede Person drei Berufskarten. Bin ich mit der Vorstellung dran, muss ich ein Nomen nennen, das zu diesen jeweils einmal vielleicht (maybe), gar nicht (not) oder perfekt passt. Die Reihenfolge des Auslegens bestimmt eine weitere Karte, die zufällig verteilt wurde. Anschließend müssen die Mitspielenden nur noch meine Gedanken nachvollziehen. Erraten sie die richtige Zuordnung, erhält die ganze Gruppe einen Punkt. Je nach Gruppengröße wird eine unterschiedliche Anzahl an Begriffen oder Runden gespielt.
Ein Beispiel findet sich bereits auf der von Marco Armbruster fantastisch illustrierten – natürlich grünen – Verpackung. Auf ihr sind ein Barista, ein Fischer und eine Astronautin abgebildet. Auf der Rückseite wird „Wasser“ genannt – das passt perfekt zum Fischer, weniger zum Barista und gar nicht zur Astronautin.
Mich hatte das Prinzip bei der Presseveranstaltung auf der Berlin-Con sehr begeistert. Nach einigen Partien ist die Begeisterung aber verflogen.
Zum einen finde ich die Gestaltung der mehrsprachigen Karten nicht gelungen. Auf ihnen stehen die Berufe in vier Sprachen in Schwarz und Weiß, jeweils invertiert, untereinander. Das wirkt unruhig und lenkt beim Lesen stark ab. Die Karten hätten auch doppelseitig bedruckt werden können, ohne dass die Qualität darunter gelitten hätte. Etwas mehr Farbe hätte den Party-Charakter unterstrichen. Das ist aber eher ein kleines Problem.
Zum anderen ist das Spiel insgesamt deutlich zu einfach. Bereits in meiner ersten Partie hat die Gruppe insgesamt nur einen einzigen Fehler gemacht. Mehr wurden es auch in den Folgepartien nicht, obwohl ich gezielt stärkere, gemischte Gruppen gesucht habe. Auch meine Kinder (neun und zwölf Jahre) hatten höchstens damit Probleme, dass sie Berufe wie den Barista aus dem Beispiel nicht kannten; nicht aber mit der Zuordnung oder dem Finden eines passenden Nomens.
Das eigentliche Problem des Spiels liegt in der deutschen Sprache. Zwar mahnt das Spiel, es bei den Komposita nicht zu übertreiben, aber alles, was im normalen Sprachgebrauch vorkommt, ist erlaubt. Wir können daher Begriffe fast nach Belieben zusammensetzen oder hinreichend scharf eingrenzen. Das Einzige, was jemals bei mir diskutiert wurde, war, welcher Beruf der perfekte ist und welcher nur vielleicht dazugehört.
Wirklich Freude bereiten Spiele dieser Art typischerweise deshalb, weil die Gespräche über die Zuordnungen interessant sind oder weil man sich den Kopf über die besten Begriffe zerbrechen kann. Ein Paradebeispiel für eine gelungene Aufgabenstellung finden wir bei Just One. Aktueller bei One Word Away. Ist die Aufgabe, so wie hier, jedoch zu einfach, bleibt der Spaß auf der Strecke, auch wenn Maybe. Not. Perfect! ansonsten in den beiden Spielphasen „raten“ und „selbst Wörter finden“, interessant ist. Wie üblich wächst die Begeisterung bei Partyspielen mit der Gruppengröße. Unter vier Personen entfallen die Diskussionen fast völlig. Und selbst in Vollbesetzung taugt der Titel bestenfalls für spielerisch völlig unbedarfte Runden. Immerhin ist die Regelhürde genauso niedrig wie der Anspruch der Aufgabe.
Transparenzhinweis
Für diese Rezension stand mir ein kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung, das mir vom Verlag ohne Auflagen übermittelt wurde.