Mein Convention-Samstag
Im Vergleich zum Freitag war der Samstag für mich weniger vollgepackt mit Terminen. Treiben lassen, Spiele spielen und Entdecken stand deshalb auf dem Programm. Alles hier Beschriebene ist als Ersteindruck zu verstehen.
Da es mir empfohlen worden war (danke an Christian H.!), steuerte ich zuerst den Verlag Wonderbow Games an, der einen Prototypen seines Spiels 8 Dragons dabei hat. Das Spiel läuft gerade noch bei Kickstarter im Late Pledge und erscheint im Retail zur Spiel in Essen. Entlang der namensgebenden Acht fliegen wir in Drachenkolonnen über das Spielbrett. Immer wenn der Drachenzug zum Halten kommt, dürfen alle bewegten Drachen und Drachenjungen die Aktion auslösen, an der sie nun stehen. Dieser Mechanismus bewirkt, dass über den Spielverlauf alle Mitspieler*innen permanent involviert sind und ich permanent auch entscheiden muss, wie viel ich den anderen gönne. Der Rest ist weniger innovativ, aber gut zum Spiel passend: Drachenhöhlen ausbauen, Symbole sammeln und am Ende mit dem größten Schatz den Sieg nach Hause fliegen. Das Spiel gefiel mir sowohl optisch als auch mechanisch sehr gut. Ich würde mir aber wünschen, dass der Zufallsfaktor bei den Auftragsplättchen noch reduziert wird.
Anschließend habe ich mich mit drei anderen Personen im Exit-Geldtransporter einschließen lassen. Der Transporter ist Teil der Exit-Feierlichkeiten im zehnten Exit-Jahr und wurde von den Brands persönlich entworfen. 15 Minuten sollten eingeplant werden, wir waren aber nach nicht einmal sechs Minuten fertig. Dennoch eine schöne Idee. Der Transporter wird auch in Essen und bei einigen anderen Veranstaltungen stehen. Ihr solltet nur rechtzeitig ein Ticket buchen.
Schon einmal draußen ging es direkt zur großen Version von Bounce it! (Deep Print Games und Denkriesen), bei der ich gegen den Autor Christoph Cantzler persönlich antrat. Nach einem harten Duell, bei dem wir Bälle in ein Loch prallen lassen mussten, konnte er das Duell Cantzler gegen den Minister für sich entscheiden. Das Spiel erinnert leicht an eine Familienversion von Bierpong (wer hätte gedacht, diesen Titel hier einmal zu lesen?), ist aber toll gestaltet und wird als Absacker bestimmt ein Renner nach Art von Strike.
Drinnen lockten die Klimaanlage und das Zirpen von Circadia bei Elznir Games. Das Set-Collection-Spiel überzeugte mich durch eine sehr hohe Entscheidungstiefe auf ganzer Linie. In meinem Zug darf ich Karten gleichen Zahlenwertes aufsteigend an eine meiner Reihen anspielen. Die Werte der Karten bestimmen, wie viele Karten ich nachziehen darf. Gleichzeitig muss ich aber Reihenlängen sammeln, und die Werte sind auf den Zahlenraum bis fünf begrenzt.
Auch A Life von Skellig Games befindet sich derzeit im Late Pledge. Das Spiel hatte vor allem durch einen kleinen KI-Skandal, der dazu führte, dass alle Karten neu gestaltet wurden (hier könnt ihr das in voller Länge nachhören), auf sich aufmerksam gemacht. Ich bin immer noch auf der Suche nach einem Lebensimulationsspiel, das mir gefällt, nachdem ich im letzten Jahr von Coming of Age enttäuscht worden bin. Nach einer Partie A Life kann ich aber festhalten, dass auch A Life nicht das gesuchte Traumspiel ist. Mechanisch passiert mir hier deutlich zu wenig, und auch die Interaktion am Tisch findet fast gar nicht statt.
Koala Spiele hatten mit dem für das Kennerspiel des Jahres nominierten Titel Kauri im Jahr 2025 einen Glücksgriff gelandet und so war ich auch auf die Neuheit Aridnyk gespannt. Mit der Nominierung zur Goldenen Tatze 2026 hatte das Spiel, das von mystischen Hirten in den ukrainischen Karpaten handelt, schon ein paar Vorschusslorbeeren erhalten. Soweit hat es mir auch gut gefallen, es scheint mir aber sehr „brainy“ zu sein. Eine etwas ausdifferenziertere Meinung erhaltet ihr bereits in einem Ersteindruck von Sonja, den ich euch empfehlen kann.
Ganz ohne Presseveranstaltungen ging es dann aber doch nicht. Abends hatten Hutter und die Edition Spielwiese zur Standparty geladen. Ich hatte die Gelegenheit, das Kartenfächerspiel Sensu, das Geschicklichkeitsspiel Leaf it, Das Kaktusspiel (ein kleines einfaches Kartenspiel) und den neuen Friedemann Friese-Titel Maybe Not Perfect auszuprobieren. Am spannendsten fand ich dabei das Stapeln und anschließende Abbauen bei Leaf it (ich glaube, ich entwickle eine Obsession für Geschicklichkeitsspiele) und Maybe Not Perfect. Bei Letzterem muss die Gruppe reihum Berufe auf Basis eines Begriffs erraten. Dieser muss zu einem Beruf vielleicht (Maybe), einem Beruf nicht (Not) und einem perfekt passen. Ein echtes Spielziel oder eine vorgegebene Länge gibt es nicht, aber wir hatten trotzdem viel Spaß.
Edition Spielwiese und Geschicklichkeitsspiele sind ein gutes Stichwort, denn bei der anschließenden Verleihung der Goldenen Tatze 2026 gewann Yubibo. In Yubibo verbinden die Spieler*innen mit ihren Fingern Stäbchen und müssen diese in der Luft halten. Für Profis kommen noch Bälle hinzu. Ich durfte das Spiel schon auf der letztjährigen BerlinCon ausprobieren und habe seitdem auf den Release gewartet (siehe oben bezüglich meiner neuen Leidenschaft für Geschicklichkeitsspiele). Die Jury begründete ihre Entscheidung mit dem Innovationscharakter und dem Umstand, dass hier der ganze Körper zu Spielmaterial wird.
Die anderen Nominierten waren Aridnyk, Bounce it!, Geschickt gefädelt, Night at the Zoo und Wine & Cheese, wobei Geschickt gefädelt disqualifiziert wurde, da es doch nicht zum Verkauf stand. Ich werde heute noch versuchen, Night at the Zoo, das von Tomáš Holek entworfen wurde, auszuprobieren. Wie (nicht) erfolgreich ich aber mit solchen Plänen bin, könnt ihr nachlesen, wenn ihr meinen Beitrag von gestern mit dem von heute vergleicht. Weiterhin gab es noch einen Prototypenpreis, den das Spiel Overlord von Patrick Piel und Mandy Dörre gewann.
Heute Abend freue ich mich außerhalb der BerlinCon bereits auf die Verleihung des Spiel des Jahres, die auch auf YouTube übertragen wird.