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Escape & Krimi Dossier – Akte V

HIDDEN GAMES, PLANET A, VERBRECHEN VON NEBENAN und UNLOCK!

von Johannes

Übersicht

Momentan regiert bei uns wieder das Krimi- und Rätselfieber, sodass es Schlag auf Schlag geht. Ich präsentiere Besprechungen zu sehr unterschiedlichen Spielen von vier Verlagen:

Verbrechen von Nebenan – Das Krimispiel (EMF)

VERBRECHEN VON NEBENAN von PHILIPP FLEITER ist einer der beliebtesten True-Crime-Podcasts in Deutschland. Ich höre ihn zwar nicht, aber zumindest meine Frau – Grund genug, bei diesem Fan-Produkt zuzuschlagen. Der Podcast behandelt „Verbrechen aus der Nachbarschaft“; in dieser als „Spezial-Folge“ aufgemachten Schachtel wird die Nachbarschaft sogar ganz unmittelbar, denn dem Host wird vorgeworfen, das Messer von Jack the Ripper aus einer Ausstellung gestohlen zu haben. FLEITER hat bereits zu Jack the Ripper publiziert.

Für die inhaltliche Ausgestaltung waren neben FLEITER auch KADDY ARENDT, KIRSTEN HIESE und MICHAEL RIENECK mitverantwortlich. KADDY ARENDT ist in der Szene auch als Mitglied des Blogs SPIELFRITTE bekannt und schreibt sonst unter anderem BLACK STORIES-Fälle. Diese Handschrift merkt man an der soliden Storyentwicklung, die sich für meinen Geschmack (und als Nicht-Fan!) dann doch etwas zu sehr um FLEITER drehte. Überall finden sich Anspielungen auf den Podcast; auch die Rätsel haben teilweise einen direkten Bezug zu ihm.

Das System basiert auf einer Website, auf der Lösungen eingegeben werden und Audio-Nachrichten (natürlich von FLEITER) zu finden sind. Geht es einmal nicht weiter, hilft ein Hilfe- und Lösungsheftchen, das in die Anleitung integriert wurde. Allzu oft brauchten meine Frau und ich dies aber nicht. Den Schwierigkeitsgrad würde ich als einsteigerfreundlich, aber nicht langweilig, bezeichnen. Gar nicht gefallen hat mir die grafische Ausgestaltung, die in mehreren Umschlägen geliefert wird. Ich hatte zunächst vermutet, dass es sich um ein KI-Produkt handelt, die Anleitung weist aber eine exzessive Verwendung von Stockfotos aus. Dies entwertet das sonst solide, gut redigierte Spiel. Gestört haben mich ferner die Kommentierungen von FLEITER selbst, die wohl besonders authentisch wirken sollten. Personen als „krank“ und „gestört“ zu bezeichnen, empfinde ich für einen Host eines True-Crime-Podcasts nicht als adäquat.

DIE VOGELINSEL (PLANET A)

Bei PLANET A haben wir uns nicht chronologisch durch das Programm gearbeitet. Nachdem in letzter Zeit vor allem die jüngeren Fälle auf den Tisch kamen, war jetzt der älteste an der Reihe.

DIE VOGELINSEL ist eine Fallakte, die mit den typischen Materialien ausgestattet ist: Fotos, Flyer, Zeitungen, eine Karte, Screenshots und kleine Notizen. Die Vogelwartin Smilla ist verschwunden, und wir unterstützen ihren Freund Lars bei der Suche.

Nachhaltigkeit ist dem Verlag wichtig: Nichts wird zerstört, und das Umweltthema fließt spielerisch und unterschwellig ein. Allerdings nimmt es weniger Raum ein als zum Beispiel bei den drei TATORT MEER JUNIOR-Fällen. Das Hilfesystem und die Websites funktionieren tadellos. Besonders herausstechen tut der Fall allerdings auch nicht, was ihm von mir eine solide Gesamtbewertung beschert.

UNLOCK! SHORT ADVENTURES – DAS HERZ DES OZEANS (ASMODEE)

Nachdem ich zuerst skeptisch war, ob ich eine kürzere Version der UNLOCK!-Reihe brauchen würde, haben sich die kleinen Spiele mittlerweile doch ein wenig in mein Herz gespielt. Das System funktioniert für gewöhnlich auch in kurzer Form gut. Leider traf DAS HERZ DES OZEANS aber so gar nicht meinen Geschmack.

Die Story ist eine generische Unterwasser-Geschichte inklusive Atlantis, Meerjungfrau und entsprechender Bedrohungen. Bei den Rätseln wird stark auf Raten statt auf Logik gesetzt. Und auch beim Einsatz der App, sonst positives Alleinstellungsmerkmal von UNLOCK!, artet das Ganze in wilde Tipporgien aus. Schade, aber diesen Teil hätte ich lieber nicht gespielt.

SCHATTEN DER ZEIT (HIDDEN GAMES)

Prof. Barbara Hoffmann ist Geschichtswissenschaftlerin und wendet sich in diesem Fall ohne den Umweg über Kommissar Hahnke direkt an das Ermittlungsteam. Sie ist einem Rätsel um eine Taschenuhr auf der Spur, die aus einem Schiffswrack aus dem Zweiten Weltkrieg stammt. In Folge bittet sie uns, zu einem älteren Herrn Kontakt aufzunehmen, der über eine ähnliche Uhr verfügt.

Ab hier wird es knifflig und ich steige komplett in den Fall ein. Nicht nur das Fehlen von Kommissar Hahnke macht diese Akte aus meiner Sicht besonders; es ist auch das Thema, welches zwischen Wissenschaftsethik, dem Zweiten Weltkrieg und einem aktuellen Kriminalfall changiert. Hier setzt auch bereits mein größter Kritikpunkt an, denn ich finde, dass der Verlag im Abspann und in den Begleitmaterialien noch etwas mehr hätte ausholen können, indem das Thema weiter kontextualisiert und problematisiert worden wäre.

Freilich wäre das für die Kriminalgeschichte nicht unbedingt relevant gewesen, die ansonsten gut aufgebaut und ausgestattet ist. Sinnvolle gedruckte Materialien finden sich genauso wie digitale wieder. Die Atmosphäre überzeugt und ich ziehe hoffentlich die richtigen Schlüsse. Neuerungen gibt es abseits der Story wenige. Ein einzelnes Rätsel macht noch keinen Escape-Hybriden. Als nicht hundertprozentig passend empfand ich die Sprecherwahl diesmal; das ist aber nur ein minimaler Makel. Mir scheint, dass die Fallakten in der Ausstattung so langsam ihren Zenit erreicht haben. Abwechslung bringen vor allem die thematischen Zugänge – und diese halte ich bei SCHATTEN DER ZEIT für überaus gelungen.

Transparenzhinweis

Für diese Rezension standen mir außer bei VERBRECHEN VON NEBENAN kostenfreie Rezensionsexemplare zur Verfügung, die mir ohne Auflagen von den Verlagen übermittelt worden sind. 

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