Über das Spiel
- Erschienen bei KOSMOS
- Autor*innen: Rosaria Battiato, Massimo Borzì, Martino Chiacchiera
- BGG-Wertung: 7,6 | Weight: 2,11 | Spieler*innenanzahl: 1-4
Vom Schäufelchen zum Bagger
Beiseite mit dem Kleingartenbesteck. Wer 2023 bei BONSAI noch mit dem Schäufelchen hantierte, braucht in KOI einen Bagger. Statt Miniatur-Botanik im Topf steht Gartenlandschaftsbau auf dem Programm. Ich fand BONSAI zwar nur nett, aber die durchsichtigen Acryl-KOI-Plättchen sahen auf dem Tisch so hübsch aus, dass ich den Garten unbedingt einmal umgraben wollte.
Mechanisch wagt das Autor*innentrio nur wenig Innovation. Es gibt weiterhin nur zwei Aktionen. Meditieren, um Karten, Plättchen und Kois aus der Auslage zu Keschern, und Arbeiten, die Beute im Garten unterzubringen. Zu Beginn sind die Möglichkeiten noch gering, die Veränderungen klein. Erst durch Gehilfen und Vorteilskarten gewinnen meine Züge an Fahrt. Dann packe ich auf einmal nicht nur einen Fisch auf mein Wasserfeld, sondern lege gleich noch ein Uferplättchen dazu, lasse auf Laub eine Rose wachsen und vergrößere meinen Garten insgesamt. Mein Ziel ist neben den Punkten, die jeder Baustein generiert, auch das Wettrennen um Meilensteine. Die gab es zwar in BONSAI auch, allerdings bieten die „Dekorationen“ in KOI mehr Varianz. Und sie sehen hübscher aus, da sie als Steck-Aufsteller in die dritte Dimension wachsen.
Überhaupt ist das Spiel imposant. Das merke ich schon beim Auspöppeln, denn die vielen Sonderteile müssen ja erst einmal zusammengebaut werden, bevor es losgehen kann. Später sorgen die Elemente für großartige Tischpräsenz und am Ende beim Verstauen für Verdruss. Sie passen nicht gut in die Tüten, von denen ohnehin zu wenige mitgeliefert werden. Ein Insert fehlt völlig. Und so leidet das Material schon nach kurzer Zeit, wenn ich nicht alles wieder auseinanderbaue.
Vom Spielgefühl her ist KOI etwas herausfordernder als BONSAI. Karpfen benötigen ihr nasses Element als Untergrund und zählen doppelt, wenn sie umbaut sind. Wenn dann noch Seerosen anliegen, gibt es Bonuspunkte, die ebenfalls in die Verdoppelung einfließen. Laternen, die ich auf Randteile bauen kann, zählen Plättchen auf gerader Linie ausgehend von ihrer Positionen und bringen ebenfalls massig Punkte (vielleicht sogar zu viele).
Nicht erst bei der Endwertung muss deshalb erstaunlich viel gerechnet werden. Das nimmt dem Spiel etwas die meditative Leichtigkeit, die das Thema eigentlich suggeriert.
Gegen Ende entsteht ein Wettrennen. Kois werden knapp und schaffe ich es noch einmal Teile zu nehmen, oder konzentriere ich mich aufs Bauen, dass ich vielleicht durch passende Gehilfen- und Lagerkarten optimiert habe? Das ist aber auch schon der einzige echte Berührungspunkt mit meinen Mitspieler*innen. Ansonsten starre ich vor allem auf meinen eigenen Teich und hoffe, dass sich die Auslage für mich passend ändert. Wie viele Menschen mit mir am Tisch sitzen, ist dafür fast egal.
Egal, ob ich gewonnen oder verloren habe, nach rund 45 Minuten liegt mein Garten aufgebaut vor mir und lädt dazu ein, von meinen Mitspieler*innen bewundert zu werden. Das ist vielleicht auch das größte Glücksmoment in diesem Spiel. Mehr als ein solides und besonders hübschen Plättchenlegespiel ist KOI nicht. Fans des Vorgängers kommen durch die gewonnene Tiefe auf ihre Kosten.
Transparenzhinweis
Für diese Rezension stand mir ein kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung, das mir vom Verlag ohne Auflagen übermittelt wurde.