Über das Spiel
- Erschienen bei KOSMOS
- Autor*innen: Tobias Tesar
- BGG-Wertung: – | Weight: – | Spieler*innenanzahl: 2
Klassik
Meine Frau hat einen Mord begangen. Bevor jetzt jemand die Polizei ruft: Natürlich nur am Spieltisch. Ich bin Detektiv und muss sie entlarven. Die Spielidee dieses Zwei-Personen-Spiels ist ein Klassiker des Deduktionsgenres. Angefangen bei CLUEDO (1949) über WER WAR’S (2007) und UNANGENEHME GÄSTE (2021) bis hin zu mystisch visuellen Varianten wie MYSTERIUM (2015). Die Suche nach dem*der Täter*in überdauert Jahrzehnte.
Auch TOBIAS TESAR findet offensichtlich Gefallen daran. Der Designer hat 2022 das deutsche Nachwuchs-Spieleautor*innen-Stipendium erhalten und ist mir im letzten Jahr vor allem durch seine Kartenspiele (RIGHT ON TIME und ONE ROUND?) aufgefallen.
Impressionen
Detektivarbeit in acht Runden
Karten gibt es auch in PERFECT MURDER. Zuerst werden aber die Rollen verteilt. Eine Person spielt Mörder*in, die andere Detektiv*in. Schön gemacht: Eine Losspielanleitung führt durch den Aufbau und erklärt dann kurz und knapp das Spielsystem. Der*die Mörder*in muss einen Weg durch eine Wohnung einzeichnen und festlegen, wer mit welchem Gegenstand den Finanzmogul Xavier Sterling umgebracht hat. Anschließend folgen acht Runden im wechselseitigen Schlagabtausch. Das System ist asymmetrisch: Der*die Mörder*in hat immer nur ein bis zwei Aktionen; er*sie verwischt Spuren, um Räume vor Durchsuchungen zu schützen, oder lässt Hinweise verschwinden. Im Gegenzug darf der*die Detektiv*in gleich drei Aktionen auslösen – etwa Spurkarten ziehen oder den*die Mörder*in nach Wegpunkten befragen, was dieser wahrheitsgemäß beantworten muss.
Im Prinzip ist dies auch schon das Dilemma des Spiels: Ich spiele nicht wirklich miteinander. Aber auch nicht gegeneinander. Die Mörderfigur ist nur Projektionsfläche für das Logikrätsel, das der*die Detektiv*in zu lösen versucht. Die Hauptaufgabe des*der Mörder*in ist mit dem Aufbau abgeschlossen. Das anschließende Taktieren bleibt dekoratives Beiwerk; spielerisch fühlte sich die Mörderrolle für mich nicht sonderlich interessant an.
Der*die Detektiv*in muss drei Variablen lösen: Täter, Waffe und Route. Ist der Weg länger, bieten sich dem*der Ermittler*in mehr Möglichkeiten, Hinweiskarten zu sammeln. Andererseits ist die Route dann schwerer zu rekonstruieren. Waffe und Täter*in werden per Ausschlussprinzip ermittelt. Vertrackt wird es nur, wenn der*die Mörder*in geschickt falsche Fährten streut.
Aber möchte man das überhaupt? Im Zweifel muss der*die Spielpartner*in noch länger nachdenken, bevor man selbst wieder eingreifen darf. Zumindest kann man derweil das Material betrachten, das genau wie die Anleitung sehr gelungen ist. Doch spielerisch ist das zu dünn. Wenn ich mich an den Tisch setze, dann möchte ich spielen. Gerne als Logikrätsel, aber dann bitte gleichzeitig. Vielleicht ist es an der Zeit, dieses alte Thema zu Grabe zu tragen, oder doch einen komplett neuen Twist einzubauen, wie im gelungenen MYSTERIUM.
Abschließende Bewertung
Transparenzhinweis
Für diese Rezension stand mir ein kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung, das mir vom Verlag ohne Auflagen übermittelt wurde.