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Der Herr der Ringe – Die Zwei Türme – Das Stichspiel

Ring frei für Runde Zwei

von Johannes

Über das Spiel

Emyn Muil

Wenn es nach TOLKIEN gegangen wäre, wäre DER HERR DER RINGE gar nicht als Trilogie erschienen. Die britischen Papierpreise der Nachkriegszeit zwangen das sechsgliedrige Werk in das Korsett der Trias. Selbst der Titel des zweiten Bandes, DIE ZWEI TÜRME, blieb eine vage Verlegenheitslösung für die Zusammenführung disparater Erzählstränge. Kenner der Bücher wissen natürlich, worum es im zweiten Teil geht. Darauf fußt nun die Fortsetzung von DER HERR DER RINGE: DIE ZWEI TÜRME – DAS STICHSPIEL.

Prinzipiell könnte ich mir den Rest des Textes sparen. Abgesehen vom narrativen Fortschritt kopiert die Schachtel die Mechanik des Vorgängers eins zu eins. Für diejenigen, die meine Besprechung des ersten Teils (noch) nicht gelesen haben: HDR – DAS STICHSPIEL ist ein kooperatives Stichspiel in mehreren Kapiteln. Jedes Szenario führt über Charaktere eigene Aufgaben ein. Meist müssen bestimmte Anzahlen oder Arten von Stichen eingefahren werden, manchmal ergänzt durch Zusatzkarten, die den Aufbau leicht variieren. Die Charakterwahl ist teils frei, teils festgelegt; die Spieldauer schwankt zwischen einer und mehreren Runden. Die Regeländerungen sind dezent; das Prinzip bleibt stabil.

Helms Klamm

Nachdem im ersten Teil nach dem 18. Kapitel Schluss war, geht es mit Kapitel 19 nahtlos weiter. Flavortexte und gelungene Illustrationen leiten durch die Geschichte. Allerdings wird Werkskenntnis vorausgesetzt, da die Fragmente kaum Tiefe bieten. Dafür passen die Aufgaben. Alles wirkt stimmig. Hier stimme ich den Kolleg*innen von COCKTAILS FOR MEEPLES zu: Die These von der Lizenzgurke ist längst überholt; gerade die Tolkien-Titel bei ASMODEE beweisen, wie hervorragend Thema und Mechanik verschmelzen – das gilt für dieses Stichspiel ebenso wie für DAS SCHICKSAL DER GEMEINSCHAFT (meine Besprechung) oder auch DER HOBBIT: HIN UND ZURÜCK.

Was den Schwierigkeitsgrad angeht, empfand ich die zweite Box als fordernder. Insgesamt brauchte meine Dreier-Gruppe, mit der ich an zwei Abenden das Spiel durchgespielt habe, 53 Partien für die 18 Kapitel. Das entspricht einer Gewinnquote von rund 34 Prozent – deutlich unter den 45 Prozent aus DIE GEFÄHRTEN, die dieselbe Gruppe zuvor erreicht hatte.

So sehr die positiven Aspekte erhalten geblieben sind, nerven die alten Schwächen. Weiterhin haben die Karten nur am oberen Rand Zahlen. Das zwingt zum lästigen Sortieren nach dem Mischen. Und das Regelheft ist ungenauer als zuvor. Wir hatten gleich mehrere Kapitel, in denen wir zuerst geraten und dann gehausregelt haben, weil sich die offiziellen Regeln nicht erschlossen.

In jedem Fall hatte ich mit dem Spiel erneut viel Spaß. Die Verbindung trägt und ich freue mich schon jetzt darauf, im nächsten Jahr (?) meine Truppe wieder zusammenzutrommeln und dann die RÜCKKEHR DES KÖNIGS gebührend zu feiern und den Ring in den Schicksalsberg zu befördern.

Abschließende Bewertung

„Auch im zweiten Anlauf überzeugt DER HERR DER RINGE: DIE ZWEI TÜRME – DAS STICHSPIEL. Thema und Mechanik sind hervorragend miteinander verwoben – die Aufgaben atmen den Geist der literarischen Vorlage. Hätte die Redaktion bei der Anleitung so viel Sorgfalt walten lassen wie bei der atmosphärischen Gestaltung, wäre der Ausflug nach Mittelerde makellos. Wer den ersten Teil mochte, bekommt hier 'More of the Same' im besten Sinne – wer sie damals schon hakelig fand, wird auch hier nicht bekehrt. Trotzdem freue ich mich darauf, im nächsten Jahr nach Mittelerde zurückzukehren und das Finale am Schicksalsberg auszuspielen.“
Johannes
Brettspielminister

Transparenzhinweis

Für diese Rezension stand mir ein kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung, das mir vom Verlag ohne Auflagen übermittelt wurde. 

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