Home Escape- und Krimi DossierEscape & Krimi Dossier – Akte IV

Escape & Krimi Dossier – Akte IV

Neues von HIDDEN GAMES und MAGNIFICUM

von Johannes

Übersicht

Wenig Nachschub bei den Escapes, dafür umso mehr Krimispiele, die wir von der SPIEL mitgebracht haben. Bei HIDDEN GAMES brauchte Kommissar Hahnke gleich zweimal unsere Hilfe. Nein, also er brauchte sie natürlich nicht, aber er ließ uns an seinen Erfolgen teilhaben. Und beim längsten MAGNIFICUM-Fall ging es in die Welt der Reichen.

Glutspur (HIDDEN GAMES)

Die fiktive Kleinstadt Klein-Borstelheim ist eine Hochburg des Verbrechens, seit HIDDEN GAMES sie zum Schauplatz ihrer Krimispiele auserkoren hat. Wie gut, dass die Fantasie der Autor*innen nicht bei der Stadt aufhörte, sondern auch einen mehr oder weniger begabten Ermittler erdachte: Kommissar Hahnke.
Auch dieses Mal braucht er bei dieser Fallakte ein wenig Anschubhilfe durch ein Ermittler*innenteam – also durch uns. Wie üblich bekommen wir einen dicken Aktenordner mit allerlei Material auf den Tisch, durch den wir uns erst einmal wühlen müssen. Im Anschluss kann hoffentlich der Fall korrekt aufgelöst werden.
Bei der GLUTSPUR geht es um verschwundene Mitarbeiter des Stahlwerks Klein-Borstelheim sowie um gestohlene Goldwaren. Laut Marketing sind die besonderen Highlights die experimentelle Spurensuche und der echte Metallgegenstand. Das Experiment funktionierte bei uns leider nicht so richtig. Und auch den Metallgegenstand fanden wir nicht allzu imposant.
Überzeugt waren wir aber erneut von den digitalen Spuren, die es nachzuvollziehen gab. HIDDEN GAMES kann auf die Erfahrung aus mittlerweile rund 20 Titeln zurückgreifen. Das spiegelt sich auch im Spielgefühl wider. Alles ist sehr rund; der Fall und die einzelnen Spuren sind gut nachvollziehbar. Vom Schwierigkeitsgrad her empfand ich ihn, verglichen mit den anderen Fallakten, die ich schon gespielt habe, als eher einfach. Insgesamt ein solides Erlebnis.

SPECIAL EDITION: IN DEN FÄNGEN DES BÖSEN (HIDDEN GAMES)

Den Hinweis, dass es sich bei diesem Spiel um eine Special Edition handelt, hat mein Kopf im Messestress wohl versehentlich überschrieben. Sonst wäre das Spiel in jedem Fall schon zur Weihnachtszeit (siehe Akte II) auf dem Tisch gelandet. Die Special Edition teilt den Fall nämlich auf 24 Umschläge auf, was zufällig gut zum Advent passt. Auch die Datumsangaben auf den Umschlägen stimmen mit dem Monat Dezember überein. Überdies – und ich bin mir sicher, dass das Absicht und kein schlechter Schachzug von HIDDEN GAMES war – gibt es keine direkten inhaltlichen Bezüge zum zweithöchsten christlichen Fest.

IN DEN FÄNGEN DES BÖSEN lässt sich auch gut losgelöst vom Kalender spielen. Über einen längeren Zeitraum oder an zwei Abenden, wie wir es gemacht haben. Das Böse hielt nämlich nicht nur Kommissar Hahnke auf Trab, sondern auch uns ein wenig gefangen. Alles beginnt damit, dass eine Person entführt wird, und kurz darauf erreicht Kommissar Hahnke auch schon der erste Umschlag. Den er uns ebenfalls übermittelt.

Durch die Aufteilung des Falls auf 24 Umschläge erschlägt dieses Krimispiel nicht so sehr mit Material, wie es andere (auch aus dem Hause HIDDEN GAMES) tun. Doch, offen gesagt, fremdele ich auch ein wenig mit der Kategorisierung. Das, was ich hier in den Händen hielt, ist eigentlich ein klassisches Escape-Spiel. Ja, es musste auch etwas deduziert werden, aber im Vordergrund stehen die 24 sehr abwechslungsreich gestalteten Rätsel. Von Schwierigkeit und Länge her variierten sie bei uns sehr stark. Am Anfang lagen wir deutlich unter den auf der Packung angegebenen 10 Minuten. Zwischendrin dauerte es auch mal (etwas) länger. Komme ich nicht weiter, unterstützt mich die wohldosierte Hilfe.

Was die Verbindung von digitalen und analogen Hinweisen angeht, zündet HIDDEN GAMES ein wahres Feuerwerk. Der für die Rätsel genannte Abwechslungsreichtum greift auch hier und so bleiben wirklich gar keine Wünsche offen. Für ein wenig Witz sorgt wie immer Kommissar Hahnke. Das muss man mögen. Wenn nicht, stört er wahrscheinlich auch nicht so sehr. Ganz am Schluss gibt es wie gewohnt ein paar Fragen zu beantworten, und dann folgt ein längeres Outro. Lasse ich mich auf das ungewöhnliche, zerstückelte Format ein, bekomme ich ein sehr gelungenes Escape-Spiel, das storytechnisch einen schönen Schulterschluss zum Krimigenre herstellt.

DAS FAMILIENGEHEIMNIS – ZWEI TOTE IM HAUSE BOUCHARD (MAGNIFICUM)

„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ Tolstois „Anna-Karenina-Prinzip“ dient als passende Ouvertüre für das neueste Werk von MAGNIFICUM. Schauplatz ist das moderne Frankreich, wo die Fassade der wohlhabenden Familie Bouchard bröckelt. Laut Verlag erwartet uns hier der bisher längste und anspruchsvollste Fall der Reihe.
Das Materialvolumen ist dem zeitlichen Umfang entsprechend üppig: Websites, Verhöre, Videos. Was nach Standardkost für Krimi-Vielspieler klingt, gewinnt durch kluge Detailarbeit an Qualität. Besonders hervorzuheben ist die barrierefreie Aufbereitung: Jede Tonaufnahme wird virtuell durch eine Zusammenfassung ergänzt. Das hilft nicht nur Hörgeschädigten, sondern reduziert den Notizzwang bei Massenverhören erheblich. Gleiches gilt für den vorbereiteten Stammbaum und den Zeitstrahl.
Dennoch bleibt DAS FAMILIENGEHEIMNIS eine Fleißaufgabe. Die schiere Personenanzahl erschlägt zu Beginn; die französischen Namen machen es fremdsprachlich weniger versierten Ermittler*innen nicht leichter. Während die Audios vorbildlich aufbereitet sind, fehlen bei den Videos leider Untertitel oder Zusammenfassungen.

Kritisch zu hinterfragen bleibt, ob die enorme Länge von rund vier Stunden ein Qualitätsmerkmal ist. Die Deduktion tritt phasenweise hinter die reine Informationsverwaltung zurück. Wir haben die Ermittlungen – ganz wie eine reale SOKO – auf zwei Abende aufgeteilt. Am Ende bleiben vier Fragen und ein langes Audio-Outro. Kein Quantensprung für das Genre, aber eine verlässliche Versorgung mit hochwertigem Stoff für Krimi-Gourmets.

Transparenzhinweis

Für diese Rezension standen mir kostenfreie Rezensionsexemplare zur Verfügung, die mir ohne Auflagen von den Verlagen übermittelt worden sind. 

Dies könnte dich auch interessieren

Kommentiere den Beitrag