Nürnberg im Schnee
Wie bereits im letzten Jahr habe ich mich – ganz ministeriell – in diesem Jahr wieder von JAN von der BRETTSPIELERUNDE zur SPIELWARENMESSE in Nürnberg fahren lassen. Die Spielwarenmesse ist eine Fachmesse, deren Türen nur Händler*innen und Presse offenstehen. Neben Gesellschaftsspielen wird die gesamte Bandbreite der Spielwaren präsentiert. Ist mein Interesse nur ludologisch, reicht ein Tag, um alle Stände einmal zu besuchen. Wir sind erneut am Freitag gefahren, was sich mehr und mehr rächt. Viele Verlagsvertreter*innen sind an diesem Tag bereits abgereist, sodass es schwierig war, mit allen Termine zu bekommen. Mein Bericht fällt daher zwangsläufig selektiv aus und konzentriert sich auf jene Titel, die für mich im Messerauschen besonders hervorstachen. Einen lückenlosen Überblick über die Neuheiten liefert beispielsweise die BRETTSPIELBOX.
Ich habe leider zudem mehr Videos als Fotos gemacht, weil ich mit beidem überfordert war. Die visuelle Aufbereitung findet ihr deshalb ausnahmsweise bei Instagram. Nächstes Jahr mache ich das anders.
Heidelbär
Der Weg zum Auftakttermin führte am Stand von HEIDELBÄR vorbei. Neben Zusatzpacks zum CGE-Dauerbrenner CODENAMES zog vor allem eine Vorabkopie von THE QUEEN’S DILEMMA die Blicke auf sich. Aufgrund des Umfangs des narrativen Legacy-Spiels hat die Erstellung länger gedauert, als es manchen Fan von THE KING’S DILEMMA, das zum Kennerspiel des Jahres 2019 nominiert war, lieb war. HEIDELBÄR rechnet damit die deutsche Version zur SPIEL fertig zu haben.
Asmodee
Das Portfolio von ASMODEE und deren angeschlossenen Studios war gewohnt umfangreich. Neben konsequenter Produktpflege – etwa der neuen Grundbox des ARKHAM HORROR LCGs, frischen UNLOCK!-Szenarien oder weiteren MISCHWALD-Ablegern bei LOOKOUT – prägten verstärkt Rollenspiele das Bild, eine direkte Folge der Partnerschaft mit ULISSES.
Gut gefiel mir auf den ersten Blick das kleine Kartenspiel DNUP, das die PR-Managerin ELENA DIENBERG als ihren Favoriten hervorhob. DNUP ist ein Ladder-Climbing-Spiel, bei dem ich überbotene Karten auf die Hand zurücknehmen muss. Diese werden dann aber gedreht und ändern dadurch ihren Wert.
MAGICAL ATHLETE, das unter dem interessanten Namen „Turbo-Flitzpiepen 2000“ bei ASMODEE erscheinen wird, springt auf den HOT STREAK-Zug auf. Letzteres erscheint jedoch bei STROHMANN. Beide sind aber einen Blick wert.
Das taktische Area-Control-Spiel ZAUNKÖNIG, das zuletzt bei SKELLIG GAMES herausgegeben wurde, macht materialtechnisch einiges her, ist für meinen Geschmack aber vermutlich zu konfrontativ.
Aufgebaut war auch das kooperative Kartenlegespiel TAKE TIME, welches sich aktuell großer Beliebtheit erfreut und auch von einigen Kolleg*innen für die Preise des Jahrgangs hoch gehandelt wird. Da ich dies schon kannte, haben wir uns dort nicht mehr länger damit beschäftigt.
Neugierig war ich auch auf den neuen LEGO-Titel
LEGO: NINJAGO – DESTINY’S BOUNTY ADVENTURES. Ich habe zwei LEGO-Fans im entsprechenden Alter zu Hause, und hier soll es kooperativ im NINJAGO-Universum rundgehen. Im Vergleich zu den beiden Vorgängertiteln scheint mir der eigentliche Spiel- und Bauwert jedoch in den Hintergrund zu geraten. Da ich LEGO nicht sammele, holt mich auch nicht ab, dass es eine exklusive Sammelfigur gibt. Schade, aber dieses Mal lasse ich das Spiel wohl aus.
Elznir Games
Beim Termin mit ELZNIR GAMES hatte ich die Gelegenheit, in Erfahrung zu bringen, welche Strategie der jungen Verlag habe. „Spiele zu machen, auf die sie Lust haben“, war die Antwort von JOE KASTNER, dem Geschäftsführer. Dies spiegelt sich auch im heterogenen Portfolio wider. JOEs eigener Favorit für dieses Jahr ist das Tower Defence Spiel TOWERS OF YOMA, welches materialtechnisch einiges hermacht.
Mit SNAILS wird zudem ein weiteres Videospiel-Prinzip auf den Tisch gebracht; das kriegerische Schnecken-Gemetzel steuert bereits im laufenden Jahr auf seine zweite Auflage zu.
Interessant fand ich auch den DIE AKTE WHITECHAPEL-Nachfolger DER WHITECHAPEL MORD, welcher auf Englisch schon länger verfügbar ist. Hidden Movement ist ja eine Mechanik, die nicht allzu oft eingesetzt wird, durchaus in der richtigen Runde aber Spaß macht.
KOSMOS
KOSMOS feiert in diesem Jahr das 10-jährige EXIT-Jubiläum und stellt deshalb die Marke etwas in den Mittelpunkt. So erscheinen unter anderem eine Jubiläums-Metallbox sowie weitere Titel der Reihe. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich schon darauf freue.
Darum zu den weniger offensichtlichen Spielen: Alle mögen Urlaub. LET’S GO! TO JAPAN und ABROAD haben es vorgemacht. In HAPPY HOLIDAY steige ich einem familienfreundlichen Niveau in die Urlaubsplanung ein. Das von MATTHEW DUNSTAN und BRETT J. GILBERT designte Spiel sah ansprechend aus. Ob es auch mechanisch etwas taugt, müssen die ersten Partien entscheiden.
Höhere Erwartungen weckt das ästhetisch bestechende KOI. Das Spiel ist auf Englisch bereits erschienen und der direkte Nachfolger von BONSAI. Wie wir von KEVIN WEGENER, Mitarbeiter bei KOSMOS, erfuhren, nimmt KOI etwas der Linearität heraus, die BONSAI prägte. Das macht das Puzzlespiel für mich gleich noch interessanter.
Gedreht wird bei TEMPLE TWIST, bei dem die Gruppe gemeinsam in einem 3D-Teil durch Einfügen und Entfernen von Sperren eine Kugel bewegen muss. Ein Spiel mit viel Aufforderungscharakter, bei dem ich mir gut vorstellen kann, es mit meinen Kindern auszuprobieren.
Von Zwei-Personen-Spielen habe ich nach dem letzten Jahrgang, offen gestanden, ein wenig die Nase voll. Meiner Frau in PERFECT MURDER deduktiv einen Mord nachzuweisen, klingt aber trotzdem ganz spannend.
HABA
Als Nächstes liefen wir einmal fast komplett über das Gelände, um zu HABA zu kommen. Mit einem starken Kindersortiment ist das naheliegend, verschleiert jedoch ein wenig die Tatsache, dass HABA versucht, auch im Familienspielsektor mehr Fuß zu fassen. NATURE war hierfür ein Indiz des letzten Jahrgangs. In diesem Jahr kommt unter anderem STUGLANDET dazu, bei dem ich mit Häusern(!) würfeln darf. Danach wird die schwedische Idylle durchbrochen, die mich grafisch latent an PETTERSON UND FINDUS erinnerte, denn das Spiel ist ein knallhartes Area Control-Spiel.
KENDI
KENDI ist bekannt für kleine Kartenspiele. Präsentiert wurden uns KEINE AHNUNG und SNEAKY. Letzteres durften wir sogar ganz sneaky direkt anspielen (hätten wir bei KEINE AHNUNG natürlich auch, aber dafür fehlte die Zeit). Bei SNEAKY versuche ich, Karten aus der Mitte oder von meinen Mitspieler*innen zu klauen, indem ich mittels des Push-Your-Luck-Mechanismus zu den Karten passende Würfel würfle. Gelingt das nicht, muss ich Handschellen abgeben. Handschellen und geklaute Karten geben am Ende Punkte. Das war es schon, hat mir aber sehr gut gefallen. Toller kleiner Titel, den ich gerne noch einmal ausprobiere.
ARCANE WONDERS
Bei ARCANE WONDERS kamen wir zufällig vorbei. Wir hatten das Glück, dass man sofort Zeit für uns hatte, und so wurde uns unter anderem RAAS – A DANCE OF LOVE präsentiert. Das Spiel ist bunt und hat einen Zahnradmechanismus, bei dem ich den Takt der Tänzer*innen treffen muss. Wir hören aber bestimmt bald noch mehr, denn es erscheint wohl irgendwann bei PEGASUS.
PEGASUS
Auch PEGASUS hat ein gewohnt großes Portfolio zur Messe mitgebracht. Die Ausstellung der Spiele umfasste zudem mehr als die vorab versandte Liste. WOLFSMOND ist ein Karten-Bluff-Spiel von MICHAEL PALM und LUKAS ZACH und schon alleine wegen des Autorenduos ein Testspiel wert.
Das zweite kleine Kartenspiel, von dem ich berichten möchte, konnte ich bereits anspielen. SYMBIOSE ist ein Legespiel, bei dem die eigene Wertung unter anderem von den Karten meiner Mitspieler*innen abhängt (daher die Symbiose). Ich habe nur acht Züge um meinen Teich mit Fröschen und Libellen zu füllen, aber die haben es in sich, weil ich immer wieder Tiere und Farben austauschen muss, um meinen Mitspieler*innen Punkte vorzuenthalten.
Apropos Punkte: Mit PUNKTEGALAXIE wird das Punktefest (PUNKTESALAT, PUNKTESTADT) fortgeführt. Produktpflege auch bei NEXT STATION, wo der Zug in BERLIN hält.
Mein eigentliches Highlight war aber das aufgebaute RECALL. Ich habe bislang nicht so viel vom Titel mitbekommen, obwohl er ja schon auf Englisch bei der SPIEL verfügbar war. REVIVE habe ich aber gerne gespielt und PETER BERNEISER hat mir mit Erklärung und dem Eindruck, dass es noch „tighter“ sein wird, doch den Mund wässrig gemacht.
Transparenzhinweis
Für stilistische Überarbeitungsschritte sowie das Lektorat kamen nach Erstellung der Rohfassung KI-Tools zum Einsatz. Der Text wurde eigenständig verfasst.