Ein sehr interessanter Artikel. Ich sehe das Problem ähnlich. Bei 'wenigen' Bewertungen/Datenpunkten sind einzelne Meinungen ggf. zu stark vertreten.
Ein paar Anmerkungen:
1. bgg ist sich bewusst, dass 'wenige' Bewertungen problematisch sind. Daher wird das Rating (Mittelwert) erst ab 30 Bewertungen angezeigt (wenn das Spiel nicht 'alt' ist). Die Rangliste verwendet das 'geek rating', bei dem grob gesagt 100 zusätzliche 5.5 Bewertungen hinzugefügt werden.
Quelle: BGG FAQ
2. Das Wort "Schwarmintelligenz" passt hier mMn nicht wirklich. Es handelt sich bei der Bewertung von Spielen nicht um Wissen oder eine Logikaufgabe, sondern um eine subjektive Bewertung. Das hat nichts mit "Intelligenz" zu tun.
3. Ich glaube du meinst das 'Gesetz der großen Zahlen' (bei vielen Bewertungen nähert sich der berechnete Mittelwert dem wahren Wert des Spiels) und nicht den zentralen Grenzwertsatz (die Summe vieler unabhängiger Zufallsvariablen ist fast immer normalverteilt, egal wie die einzelnen Variablen ursprünglich verteilt waren).
4. Ausreißer zu haben wenn man nur aus einer endlichen Menge (1-10) wählen kann, ist schon etwas schwerer. Dein Beispiel ist auch etwas unglücklich gewählt: Du hast vorher schon zwei 5er in den Bewertungen drin, die Hinzugefügten würde ich also nicht als Ausreißer bezeichnen. Durch die neuen Bewertungen ändert sich der Mittelwert um 6,2%, die Anzahl der Bewertungen jedoch um 8,3. Finde ich vollkommen in Ordnung.
5. Die meisten Leute haben schon Probleme mit dem Begriff "Mittelwert", jetzt noch vorzuschlagen die Standardabweichung dazuzuschreiben würde glaube ich wenigen Leuten nutzen :-D. Hier fände ich die 'Anzahl der Bewertungen' deutlich einfacher und auch hilfreich um sich ein Urteil über die 'Qualität' der Metrik bilden zu können. Die und auch die komplette Verteilung der Bewertungen (was ja noch einmal deutlich aufschlussreicher ist als die Standardabweichung) kann man ja auch auf bgg sehen.
Viele Grüße
boardgametroll
Johannes10. Dezember 2025 - 08:52
Hallo boardgametroll,
danke fürs Lesen und dein Feedback. Ich antworte hier darauf:
1) Richtig, das gilt für die Bewertungen, aber zum Beispiel nicht für die Einstufung des Weights. Im Artikel (bei allen praktischen Beispielen) habe ich mich primär auf die Scoutaktion bezogen und dort findet keinerlei Korrektur statt.
2) Der Begriff Schwarmintelligenz hat keine einheitliche Definition. Ich fasse die Bewertung als eine Entscheidung für die Güte eines Brettspieles. Die kollektive Entscheidung ist nach meiner Definition damit auch Schwarmintelligenz.
3) Das Argument war ein inferenzstatistisches, darum habe ich den zentralen Grenzwertsatz genommen. Aber ja, das Gesetz der großen Zahlen wäre vielleicht eingängiger gewesen.
4) Mir ging es darum, zu zeigen, dass einige wenige Bewertungen hohen Einfluss haben können. So sehr, dass es Verschiebungen beim Ranking der Scoutaktion geben könnte. Das gelingt in dem Beispiel. Du hast recht, der Begriff des Ausreißers ist in dem Zusammenhang kritisch. Aber das ist ja eigentlich auch die Berechnung von arithmetischen Mitteln bei ordinalen Skalen :-)
5) BGG macht das Problem nicht transparent genug aus meiner Sicht. Viel größer ist es aber bei der Scoutaktion. Es braucht einfach sehr viel mehr Erklärung und Interpretationshilfe, wenn ich Zahlen präsentiere.
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